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Prozesskomponente
mit Mehrwert

Öl ist zum Verbrennen viel zu schade. Entsprechend konsequent sehen wir auch in unseren selbst erzeugten Rohstoffen, etwa dem Wasserstoff, mehr als nur einen Energieträger und setzen ihn daher als stoffliche Prozesskomponente – mit Mehrwert – ein.


Management
Ansatz

Der Anspruch eines verantwortungsbewussten Umgangs mit natürlichen Ressourcen sowie der Schutz von Klima und Umwelt sind fest in unserer Unternehmenspolitik verankert. Wir sind bestrebt, den Energieverbrauch und den Anfall umweltbelastender Stoffe im Produktionsprozess kontinuierlich zu verringern. Weiterhin arbeiten wir daran, unsere Kunden beim Schutz der Umwelt zu unterstützen. Dies erreichen wir beispielsweise, indem unsere Produkte eine Alternative zu Produkten mit umweltschädlichen Inhaltsstoffen bieten oder durch ihre Verwendung einen Beitrag zum Umweltschutz leisten.

Langfristig verfolgt H&R das Ziel der Dekarbonisierung der Produktionsprozesse und hat sich das Ziel der „Grünen Raffinerie“, das heißt einer vollständig synthetisierten, auf erneuerbaren Energien basierenden Spezialitätenproduktion, gesetzt. Dabei reduzieren wir den Einsatz fossiler Rohstoffe nachhaltig und betreiben unsere Raffinerien mit nachhaltiger Energie.

Grundsätzlich sind unsere deutschen Standorte nach den ISO-Normen 9001 (Qualität), 14001 (Umwelt), 18001 (Arbeitsschutz) und 50001 (Energie) zertifiziert, über die wir unser Energie-, Ressourcen- und CO2-Management überwachen und steuern. Seit 2012 berichten wir Kennwerte der CO2-Emissionen, des Ab-wassers und des Abfalls als emittierte Menge je Tonne des Einsatzstoffs. Auf diese Art und Weise können wir die Tiefe unserer Wertschöpfung und die Größe unserer Raffineriestandorte bestmöglich abbilden. Wir verfolgen dabei das Ziel, bei gesteigerter Wertschöpfungstiefe und besserer Produktionsleistung den Referenzwert aus dem Jahr 2011 nicht zu überschreiten und wo möglich zu untertreffen. Mithilfe unserer Datenbank „Umweltaspekte und -einwirkungen“ identifizieren wir alle Tätigkeiten, die einen Einfluss auf die Umwelt haben, und ermitteln und bewerten die Risiken im Normalbetrieb, bei betrieblichen Störungen sowie im Notfall. So können wir Verbesserungspotenziale identifizieren und entsprechende Maßnahmen ableiten.

ENERGIEEFFIZIENZ UND
CO2­-EMISSIONEN

Unser Ziel ist es, unsere Produktionsprozesse so weit zu optimieren, dass der Anteil an rohölbasierten Spezialitäten möglichst hoch und der Anteil an schlecht oder nur noch in der Verbrennung verwertbaren Komponenten möglichst gering ist.

Dabei spielen die Einsatzstoffe eine wesentliche Rolle, denn je besser deren Qualität ist und je spezifischer sie auf die einzelnen Produktionseinheiten zugeschnitten sind, desto größer ist auch die Ausbeute hochwertiger Spezialprodukte. Aber auch der Energieaufwand ist von Bedeutung, denn je größer die Verarbeitungstiefe ist, desto mehr Energie muss für die Herstellung der Produkte aufgewendet werden.

Eine gute Position im Bereich der Energieeffizienz im Raffineriesektor wurde uns zuletzt 2019 im Rahmen einer aktualisierten Performanceanalyse der HSB Solomon Associates LLC® bestätigt: Beide Spezialitätenraffinerien in Hamburg und Salzbergen konnten sich im Benchmarking zu anderen Raffinerien im 2. Quartil platzieren.

Mit zwei energieintensiven Produktionsbetrieben in Deutschland, deren Energiekosten zudem noch deutlich oberhalb des internationalen Vergleichs liegen, ist es deshalb ein erklärtes Ziel unseres Unternehmens, unseren Energieverbrauch grundsätzlich so gering wie möglich zu halten und so effizient wie möglich zu gestalten, um in der Konsequenz unsere CO2-Emissionen so weit wie möglich abzusenken.

Damit wollen wir nicht nur unsere eigene Klimabilanz verbessern, sondern auch zur Erreichung der Klimaschutzziele der Bundes-regierung sowie des Pariser Klimaabkommens beitragen. Zu diesem Zweck haben wir ein Energiemanagementsystem gemäß der ISO-Norm 50001 an unseren Raffineriestandorten Hamburg und Salzbergen etabliert. Es definiert die Verantwortlichkeiten im Unternehmen, enthält Verpflichtungen zur Verbesserung der energiebezogenen Leistung sowie zur Einhaltung aller geltenden gesetzlichen Anforderungen bezüglich des Energieeinsatzes. Weiterhin bildet es den Rahmen für strategische und operative Einzelziele und entsprechende Maßnahmen, um diese zu erreichen. All dies wird in der Energiepolitik des Unternehmens festgehalten.

Wir erfassen die Energieverbräuche an unseren Raffineriestandorten kontinuierlich und werten diese auf einer wöchentlichen Basis aus. Dies ermöglicht uns, bei Bedarf zeitnah einzugreifen und konkrete Maßnahmen zur Einsparung von Energie abzuleiten. Diese umfassen zum Beispiel Projekte zur Wärmeintegration in den Anlagen, Maßnahmen zur Verbesserung der Tankisolierungen oder Kleinprojekte wie die Umstellung der Beleuchtung auf LED.

Die dadurch erzielten Beiträge zu einer Gesamtersparnis sind dabei jedoch alles andere als gering: So ergaben sich allein in den letzten vier Jahren kumulierte Energieeinsparungen für beide Raffineriestandorte in einer Größe von 292.000 MWh.

Die Einhaltung der Anforderungen der ISO-Norm 50001 lassen wir regelmäßig von einem externen unabhängigen Gutachter überprüfen. Sollten die Anforderungen nicht erfüllt sein, nehmen wir entsprechende Anpassungen unserer Maßnahmen und Prozesse vor. Das letzte unabhängige Audit, das uns die fortgesetzte Einhaltung aller Anforderungen der ISO 50001 bestätigte, fand 2020 statt. Zudem führen wir jährliche interne Audits durch, die überprüfen und zeigen sollen, dass die Anforderungen der ISO-Norm innerhalb der Organisation auch tatsächlich „gelebt“ werden. Gemäß der ISO-Norm 50001 nutzen wir die Wahlfreiheit, die sie bietet, und machen unsere Energiepolitik nicht der Öffentlichkeit zugänglich.

Ein wesentlicher Effekt einer gesteigerten Energieeffizienz sowie eines verringerten Energieverbrauchs ist die Absenkung der CO2-Emissionen. Die Maßnahmen zur Senkung der CO2-Emissionen entsprechen in unserem Unternehmen zu einem großen Teil denen zur Senkung des Primärenergieverbrauchs, die in der Energiepolitik festgehalten sind. Mit der regelflexiblen Wasserstoffelektrolyseanlage (PEM) können wir beispielsweise in unserer Raffinerie in Hamburg-Neuhof Wasserstoff aus regenerativen Energiequellen herstellen. Dadurch vermeiden wir CO2-Emissionen, die bei der externen Herstellung von Wasser-stoff aus fossilen Energieträgern und dessen Transport zu unserer Raffinerie entstehen.

Um einen möglichst guten Überblick über unsere Emissionen zu erhalten, haben wir einen Emissionsrechner entwickelt, der die Wertschöpfungskette von H&R von der Rohstoffgewinnung und -verarbeitung bis zum Vertrieb abbildet. Dieser Rechner ermöglicht uns, für jedes Produkt die direkten und indirekten Emissionen zu ermitteln. Unserer Wertschöpfungsintensität tragen wir Rechnung, indem wir die Summe aller im Produktionsfortschritt anfallenden Einzelanlagendurchsätze bewerten.

Als Grundsäulen der Ermittlung unserer CO2-Emissionen dienen uns in gesetzlicher Hinsicht zunächst die Vorgaben des Treibhausemissionshandelsgesetzes (TEHG). Zudem definiert auch die ISO-Norm 50001 das Monitoring der relevanten Daten, indem sie Energiereviews, verbindliche Energieeffizienzkennzahlen und die Einführung einer energetischen Lebenszyklusrechnung für bestimmte Anlagen vorsieht. Und schließlich finden auch Branchenstandards sowie ganz spezifische Informationen, etwa zu den individuellen Anlagen-Set-ups, zu angewandten Prozessen und Produktionsfahrweisen oder zur Zusammensetzung von verwendeten Energieträgern und anderen Betriebsmitteln, Eingang in die Berechnung unserer CO2-Emissionen. Für das Geschäftsjahr 2020 lagen unsere Emissionen pro Tonne Einsatz-stoff bei 391,2 kg. Das abgelaufene Geschäftsjahr lag damit 8,8 % über dem Referenzwert von 2011 (359,6 kg).

Was auf den ersten Blick wie ein Anstieg aussieht, erklärt sich im entsprechenden Kontext: Seit 2011 sind die CO2-Emissionen in absoluter Höhe gefallen. Über die letzten zehn Jahre betrachtet, weisen die beiden Raffineriestandorte von H&R – auf den Referenzwert von 2011 bezogen – einen um 7,4 % geringeren Ausstoß an Emissionen aus.

Gleichzeitig setzen wir die Emissionen in Relation zur Menge unserer eingesetzten Rohstoffe. Vergleichbar mit einem Hochleistungsmotor sind unsere Prozessanlagen immer dann besonders effizient, wenn sie mit idealer Leistung bei möglichst großen Durchsatzmengen betrieben werden. Läuft ein Motor hingegen im niedrigen Drehzahlbereich, so führt dies zu einem höheren Spritverbrauch, mehr Emissionen etc.

Eine ähnliche Sondersituation hatten wir im vergangenen Jahr auch an unseren Standorten. In den wenigen Wochen, in denen Deutschland harte Lockdown-Maßnahmen durchsetzte und viele unserer Abnehmerindustrien nur geringere Produkte von uns abnehmen konnten, liefen unsere Anlagen mit geringerem Rohstoffeinsatz und folglich auch nicht mit ihrer gewohnt hohen Effizienz.  

Entsprechend zuversichtlich sind wir, dass H&R 2021 die Emissionen nicht nur absolut verringern wird, sondern auch wieder einen besseren relativen Wert ausweisen kann.

Abfall
Ansatz

Aufgrund der Vielfalt der Abfallarten, der Menge, dem Gefährdungspotenzial einiger Abfälle, der Komplexität der Entsorgungsverfahren und der Entsorgungskosten haben das operative Abfallmanagement und die Kostenoptimierung eine hohe Bedeutung für die H&R KGaA. Zum Beispiel fallen auf dem Werksgelände der Raffinerie Hamburg-Neuhof rund 60 verschiedene Abfallarten in unterschiedlicher Menge und Häufigkeit an.

Gleichzeitig werden in unsere Berechnung aber auch die Abfälle mit einbezogen, die nicht originär mit unseren Produktionsprozessen in Zusammenhang stehen. Dies kann etwa der Bodenaushub bei Baumaßnahmen sein, der gleichwertig mit den Prozessabfällen in die relative Größe „Abfall/Tonne Ein-atzprodukt“ einfließt.  Die Abfälle, die aktuell unvermeidbar sind, werden fachgerecht und unter Einhaltung aller gesetzlichen Erfordernisse entsorgt.

Ziele und Maßnahmen zur Reduktion unseres Abfallaufkommens werden im Rahmen unseres Umweltmanagementsystems identifiziert und umgesetzt, das nach der ISO-Norm 14001 zertifiziert ist und auch Vorgabedokumente zum Abfallmanagement umfasst.

Diese Norm legt Anforderungen an ein Umweltmanagement fest, mit dem Organisationen ihre Umweltleistung verbessern und Umweltziele erreichen können. Sie basiert auf den zentralen Elementen Planung, Durchführung, Kontrolle und Verbesserung.

Die Einhaltung der Anforderungen wird durch eine externe unabhängige Instanz überprüft und zertifiziert. Die nächste Zertifizierung wird Mitte 2021 erfolgen. Mithilfe von Beauftragtensitzungen, internen und Compliance-Audits stellen wir zudem die Einhaltung von Gesetzen, Bestimmungen, Prüfpflichten und Verordnungen sicher und überprüfen die Leistungsfähigkeit unseres Umweltmanagementsystems.

Insgesamt liegt der Abfall der H&R-Raffineriestandorte auf einem erfreulich niedrigen Niveau. In der Vergleichsbetrachtung haben wir 2020 unser Abfallaufkommen erneut um gut 13,0 % gegenüber dem Referenzjahr 2011 (3,09 kg pro Tonne Einsatzprodukt) reduzieren können. Im abgelaufenen Geschäftsjahr fielen genau wie im Vorjahr 2,68 kg Abfall pro Tonne Einsatzprodukt an.

Wasser und
Abwasser

Der sorgsame und bewusste Umgang mit Wasserressourcen ist ein Thema, das auch vom H&R-Konzern als wesentlich eingestuft wird.

Der überwiegende Teil des in unseren Raffinerien benötigten Wassers wird zur Kühlung eingesetzt. Es kommt nicht mit unseren Produkten in Berührung und kann der Umwelt direkt wieder zugeführt werden. Nur ein geringer Teil des Wassers wird direkt in unseren Raffinerieprozessen eingesetzt. Da dieses Wasser nach Verwendung auch Schadkomponenten mit Gefährdungspotenzial aufweisen kann, kommt auch dem Abwassermanagement eine hohe Bedeutung zu.
 
Grundsätzlich besteht unser Ziel darin, so wenig Wasser wie möglich zu verbrauchen und das Abwasseraufkommen so gering wie möglich zu halten. Ziele und Maßnahmen zur Reduktion unseres Wasserverbrauchs werden im Rahmen unseres im Kapitel Abfall beschriebenen Umweltmanagementsystems identifiziert, umgesetzt und überprüft. Unsere Wasserquellen sind lokale Versorger.

Verunreinigte Prozessabwässer werden von uns im Idealfall schon an der Anfallstelle mit aufwendigen, komplexen Verfahren gereinigt, damit sie bedenkenlos als Abwasser in die Umwelt zurückgeführt werden können. Abzüglich der auf versiegelte Flächen gefallenen Niederschlagsmenge leiteten wir 2019 insgesamt eine Menge von 673,8 l pro Tonne Einsatzprodukt als häusliches oder Prozessabwasser ab. Damit lagen wir um rund 21,8 % deutlich unter dem Referenzwert von 2011 (861,2 l), übertrafen den Vorjahreswert aus den bereits bei den Emissionen geschilderten Effizienzgründen jedoch deutlich.

Der Standort Salzbergen bezieht darüber hinaus Flusswasser, das der Ems entnommen wird und in aufbereiteter Form als Prozess- und Kesselspeisewasser in der Dampfversorgung genutzt wird. Das Flusswasser wird auch zum Ausgleich von Verdampfungsverlusten im Kühlwasserkreislauf eingesetzt. Um Wasser zu sparen, nutzen wir unser Kühlwasser im Prozess teilweise mehrfach. Wir arbeiten zudem an der Schaffung neuer Einsatzmöglichkeiten von Brauchwasser, um die Wiedereinsatzquote weiter zu erhöhen.